(0316) 37 40 50office@ogka.at Home

Chinesische Kräutermedizin bei ungeklärten wiederholten Fehlgeburten

Wiederholte Fehlgeburten werden definiert als zwei, drei oder mehr aufeinander folgende spontane Fehlgeburten in der Frühschwangerschaft und betreffen eine kleine Anzahl (1 bis 3 %) von Frauen im gebärfähigen Alter. Viele Schwangere erkennen eine Fehlgeburt möglicherweise nicht, bis Gebärmutterblutungen und Krämpfe nach der 10. Schwangerschaftswoche auftreten. Nach der ersten Fehlgeburt besteht ein Risiko für wiederholte Fehlgeburten und die Chancen auf eine erfolgreiche Schwangerschaft variieren. Gelegentlich liegen wiederholten Fehlgeburten bestimmte Ursachen zugrunde, wobei sowohl mütterliche als auch fetale (kindliche) Faktoren eine Rolle spielen; spezielle Behandlungen dieser Ursachen sind in diesen Fällen wirksam. Jedoch ist es möglich, dass die zugrundeliegenden Ursachen nicht erkannt werden, und für die meisten wiederholten Fehlgeburten gibt es keine Erklärung. Es gibt keine allgemeine Empfehlung für die Behandlung ungeklärter wiederholter Fehlgeburten. Chinesische Kräutermedizin wird in asiatischen Ländern seit Jahrhunderten eingesetzt und hat sich in den letzten Jahren in westlichen Ländern zu einer beliebten alternativen Therapie entwickelt. Viele klinische Studien haben berichtet, dass chinesische Kräutermedizin Schwangerschafts- und Lebendgeburtsraten verbessern kann, indem sie Fehlgeburten verhindert und die Fortsetzung der Schwangerschaft fördert.

In diesen Studien wurden verschiedene chinesische Kräutermedikamente (Shou Tai Wan [Tablette], Yangxi Zaitai [Sud], Bushen Antai [Sud] und einige abgeänderte Formulierungen) angewandt. Das Grundrezept enthielt überwiegend einige häufige Kräuter der chinesischen Kräutermedizin (Chinesischer Teufelszwirn [Samen], Maulbeermistel [Zweig], Chinesische Karde [Wurzel], Großköpfiges Speichelkraut [Erdspross], Gelatine aus Eselshaut, Chinesische Gutapercha [Rinde], Mandarinenschale, Glockenwinde [Wurzel], Pfingstrose [geschälte Wurzel], Baikal-Helmkraut [Wurzel], Mongolischer Tragant [Wurzel], Chinesische Engelwurz etc.). Zu den westlichen pharmazeutischen Medikamenten gehörten tokolytische (wehenhemmende) Wirkstoffe wie Salbutamol und Magnesiumsulfat, ergänzende Hormongaben mit humanem Choriongonadotrophin, Progesteron oder Dydrogesteron sowie unterstützende Nahrungsmittelergänzungen wie Vitamin E, Vitamin K und Folsäure.

Wir suchten am 1. Juni 2015 nach Evidenz und fanden 9 Studien (861 Frauen), die die Alltagswirksamkeit der Maßnahmen bewerteten. Alle Studien wiesen methodische Mängel auf und hatten insgesamt ein nicht eindeutiges Risiko für Bias (systematische Fehler). In keiner Studie wurden als Kontrollmaßnahme Placebos, keine Behandlung oder Bettruhe eingesetzt. Eine Studie untersuchte die Alltagswirksamkeit der Psychotherapie im Vergleich mit chinesischen Kräutern.

Wenn chinesische Kräutermedikamente in Kombination mit anderen Pharmazeutika gegeben wurden, stellte man im Vergleich zur Behandlung mit den anderen Pharmazeutika allein höhere Raten für fortgesetzte Schwangerschaft über 20 Wochen hinaus (92,1 % gegenüber 72,0 %; Daten aus zwei Studien mit 189 Frauen) und Lebendgeburten fest (79,7 % gegenüber 44,2 %; Daten aus 6 Studien mit 601 Frauen). Die Lebendgeburtsraten unterschieden sich nicht, wenn chinesische Kräutermedizin allein mit anderen Pharmazeutika allein verglichen wurde (Daten aus einer Studie mit 80 Frauen). Ein Vergleich der Raten für fortgesetzte Schwangerschaft stand in dieser Studie nicht zur Verfügung. Im Vergleich mit der Psychotherapie allein lag die Lebendgeburtsrate in der Gruppe der Frauen, die eine Kombination aus chinesischen Kräutern und Psychotherapie erhielten, höher (91,1 % gegenüber 68,9 %).

Die Mehrheit der Studien lieferte keine Informationen über unerwünschte Wirkungen auf die Mütter oder die Babys. Nur zwei Studien (mit 341 Frauen) berichteten, dass keine unerwünschten Wirkungen auf die Mütter festgestellt wurden (eine Studie verglich [kombinierte] Medikamente mit anderen Pharmazeutika, eine Studie verglich kombinierte chinesische Kräutermedikamente allein mit anderen Pharmazeutika allein). Nur eine Studie (Vergleich chinesischer Kräutermedikamente allein mit anderen Pharmazeutika allein) berichtete, dass bei den Babys vor oder nach der Geburt keine Abnormalitäten aufgetreten waren.

Keine Studie ging im Studienbericht auf Einschränkungen ein. Es ist nicht klar, welche chinesischen Kräutermedikamente oder welche Kombinationen wirksam sind.

Gemäß der individuellen Diagnose und Einordnung in der chinesischen Medizin können sich die Zubereitungen (Formulierungen) je nach Subtyp der wiederholten Fehlgeburt voneinander unterscheiden. Die meisten Praktiker der chinesischen Medizin ändern die klassischen Verordnungen je nach individuellem klinischem Bild ab. Einige Kräutermedikamente wurden für die Behandlung abweichend von der klassischen Formulierung zusammengesetzt. Daher können sich in unserer Studie die Schlussfolgerungen zur allgemeinen Alltagswirksamkeit nur auf die allgemeinen Wirkungen chinesischer Kräutermedizin auf wiederholte Fehlgeburten beziehen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Kombination von chinesischen Kräutermedikamenten und anderen Pharmazeutika bei ungeklärten wiederholten Fehlgeburten offenbar mehr Nutzen bringt als andere Pharmazeutika allein, jedoch bleibt die Evidenz zur Alltagswirksamkeit und Sicherheit chinesischer Kräutermedizin allein als Behandlung unklar.

Wir fanden keine Daten zur Einschätzung der Sicherheit und Toxizität (Giftigkeit) dieser Maßnahme bei Frauen und ihren Babys und keine Daten für alle unsere Endpunkte bei Mutter und Kind. Es sind weitere Studien von hoher Qualität erforderlich, um den Nutzwert chinesischer Kräutermedikamente für ungeklärte wiederholte Fehlgeburten vollständig auszuwerten.

Quelle: www.beilit.de

Referenzen:

  • Li L, Dou L, Leung P, Chung T, Wang C. Chinese herbal medicines for unexplained recurrent miscarriage. Cochrane Database of Systematic Reviews 2016, Issue 1. Art. No.: CD010568. DOI: 10.1002/14651858.CD010568.pub2
  • Übersetzer: S. Schmidt-Wussow, freigegeben durch Cochrane Schweiz.
    Veröffentlichungsdatum: 14. Januar 2016

Neueste Studien