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Studien

20
Mai

Kann Prostatakrebs durch pflanzliche Arzneimittel gebremst werden?

Die Behandlung von Prostatakrebs erfolgt üblicherweise mittels Bestrahlung, Hormonentzugstherapie oder Operation. Ein im Blut nachweisbares Tumormerkmal zur Beobachtung des Krankheitsverlaufs bei Prostatakrebs ist das sogenannte Prostata-Spezifische Antigen (PSA). Kommt es nach einer zunächst erfolgreichen Behandlung dennoch zum Anstieg dieses Tumormerkmals im Blut, spricht man von einem biochemischen Krankheitsrückfall, d. h. der Prostatakrebs schreitet fort. Häufig verwenden die betroffenen Männer dann pflanzliche Arzneimittel, wie z. B. Kräuterpräparate, um die Bildung von Tumorabsiedlungen (Metastasen) im Körper zu verzögern und weitere aggressive Therapien mit unerwünschten Nebenwirkungen, wie z. B. die körperlich sehr belastende Chemotherapie, erstmal zu vermeiden. Somit sind die pflanzlichen Arzneimittel, sogenannte Phytotherapeutika, in den Fokus der Forschung gerückt. Bisher gab es zwar vielversprechende Therapieergebnisse, aber noch keine definierten Behandlungsvorschläge.

In einer ersten Pilot-Studie haben australische und amerikanische Forscher nun untersucht, inwiefern diese auf pflanzlichen Arzneimitteln beruhenden Effekte für Prostatakrebspatienten mit steigendem PSA-Gehalt im Blut nutzbar gemacht werden könnten. Dabei wurden Behandlungen mit Kurkuma, auch Gelbwurz genannt, Resveratrol, eine Gruppe von Stoffen, die in roten Trauben vorkommen, Grünem Tee und Brokkoli-Keimlingen berücksichtigt.

Insgesamt wurden 22 Männer mit Prostatakrebs, die einen biochemische Krankheitsrückfall und somit mäßig steigende PSA-Werte im Blut (Verdoppelung des PSA innerhalb von 4 bis 15 Monaten), und keine nachweisbaren Metastasen hatten, in diese Studie aufgenommen. Sie wurden in 2 Gruppen unterteilt und bekamen über einen Zeitraum von 12 Wochen entweder Behandlung mit pflanzlichen Arzneimitteln oder ein Scheinmedikament (Placebo) verabreicht. Dabei haben die Forscher auch die Machbarkeit dieser Studie erfasst, d. h. wie gut Patienten dafür rekrutiert werden konnten und wie gut Ablauf und Einhaltung der Behandlungs-Prozedur umgesetzt wurden. Ebenfalls wurden entsprechende klinische Prostata-Symptome, die Lebensqualität, Angstzustände und das Auftreten von Depressionen erfasst.

Die Auswertung zeigte, dass die Einhaltung der Studienvorgaben bei den Patienten mit Pflanzenarzneimittel- und auch Placebo-Gabe exzellent war. In beiden Gruppen traten gleich viele und sehr ähnliche, milde bis mäßige Nebenwirkungen auf. Die Teilnehmer der Studie empfanden die Behandlungen und die damit verbundenen Untersuchungen als akzeptabel. Hinsichtlich des Therapieansprechens wurden von den Medizinern zwar keine deutlichen Unterschiede in beiden Patienten-Gruppen erwartet, aber die mit Pflanzenarznei behandelten Patienten konnten von einem etwas verzögertem Anstieg des Tumor-Merkmals PSA im Blut profitieren. Die Verdopplungszeit des PSA betrug vor der pflanzenarzneilichen Behandlung durchschnittlich 5,5 Monate und nach der Behandlung 10,2 Monate. In der mit Scheinmedikamenten behandelten Placebo-Gruppe lag die Verdopplungszeit des PSA vor der Behandlung bei 10,8 und danach bei 10,9 Monaten. Es war also kein Unterschied zu erkennen.

Aus diesen Ergebnissen schlussfolgern die Mediziner, dass eine aussagekräftige Studie mit der gewählten Behandlungskombination machbar und für Männer mit Prostatakrebs, die sich im biochemischen Krankheitsrückfall mit mäßig ansteigendem PSA-Gehalt im Blut, befinden, umsetzbar ist. Weitere Untersuchungen zur Wirksamkeit von Pflanzenpräparaten als Alternative zu aggressiven Behandlungen von fortschreitendem und wohlbemerkt relativ langsam wachsenden Prostatakrebs werden folgen. In jedem Fall gewinnen diese sogenannten Phytotherapeutika zunehmend an Bedeutung für Männer mit Prostatakrebs.

Original Titel:
A Placebo-Controlled Double-Blinded Randomized Pilot Study of Combination Phytotherapy in Biochemically Recurrent Prostate Cancer.

Quelle: www.beilit.de

Referenzen:
van Die MD, Williams SG, Emery J, Bone KM, Taylor JM, Lusk E, Pirotta MV. A Placebo-Controlled Double-Blinded Randomized Pilot Study of Combination Phytotherapy in Biochemically Recurrent Prostate Cancer. Prostate. 2017 May;77(7):765-775. doi: 10.1002/pros.23317. Epub 2017 Feb 9

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